„Wie du hast keine Schuhe dabei?“ Eine Frage, die ich oft höre, beim Wandern in den Bergen oder in der Münchner Innenstadt. „Ja – seit gut 3 Jahren bin ich begeisterte Barfußläuferin!“

Wie es dazu kam was bisher geschah 

Angefangen hat alles im Winter 2015/16 mit Sockenschuhen von Leguano, die damals eine Freundin trägt. Wir wollen gemeinsam Gassi gehen und ich meine zu ihr, ob sie keine Schuhe anziehen möchte, worauf sie kontert, sie habe Spezialschuhe an: Socken mit biegsamer, schützender PVC-Sohle! Ich bin fasziniert und gleich los, um mir auch welche zu besorgen. Die Sockenschuhe werden schnell meine absoluten Lieblinge im Alltag, ob beim Sport, Arbeiten, Einkaufen oder Spazieren gehen. Sie sind perfekt: bequem, leicht, flexibel, waschbar. In den nächsten Wochen beschäftige ich mich intensiver mit den Fuß, einem Meisterwerk der Natur bestehend aus 26 Knochen, 27 Gelenken, 32 Muskeln und Sehnen, 107 Bändern und über 1.700 Nervenenden. 80% der Deutschen haben Probleme mit ihren Füßen: vergrößerte Zehenballen , Hammerzehen, Hühneraugen, Senk-, Spreiz-, Plattfüße, Hallux Valgus, Fersensporn, Achillessehnen-entzündungen, Krampfadern, Gleichgewichtsstörungen. Ich lese das Buch „Füße gut, alles gut“ und bin inspiriert. 

Im Frühling 2016…

…beginne ich kurze Strecken, vorwiegend im Wald, barfuß zu gehen. Ich verliebe mich sofort, in das Gefühl den Boden (Waldboden, Asphalt, Steine, Kies, Sand, Gras, Moos, Laub) zu spüren, mich dabei vollkommen frei und mit der Natur verbunden zu fühlen. Barfußlaufen erdert und schützt dadurch vor Autoimmunerkran-kungen (Earthing). Ich gehe achtsamer und gelenkschonender, habe eine aufrechtere Körperhaltung und einen stabileren Stand. Nicht das Tragen von Schuhen, sondern das Barfußgehen ist natürlich. Fragenden oder verständnislosen Blicken begegne ich mit einem freundlichen Lächeln. Oft erkläre ich interessierten Passanten einfach kurz, wie viel Freude es mir bereitet, dann gehen wir weiter unserer Wege. Ich barfuß, die andere Person mit festem Schuhwerk, lächelnd/kopfschüttelnd, nachdenklich und vielleicht langsam verstehend.

2017…

… reise ich für ein halbes Jahr durch Südostasien, auch dort habe ich nur zwei Paar Leguanos im Gepäck. Ich fliege mit einem Leichtflugzeug über Chiang Mai in Thailand, gleite im Heißluftballon über Bagan in Myanmar, besteige den Mount Batur, einen Vulkan auf Bali, klettere durch Canyons auf der Insel Cebu, irre durch die Tempelanlage Ankor Wat in Kambodscha, tauche mit Walhaien, Schildkröten und Millionen Sardinen auf den Philippinen, schlendere durch Reisterrassen in Malaysia und das fast alles barfuß.  

Anfang Juni 2018…

… erfülle ich mir einen weiteren Traum und überquere alleine barfuß die Alpen von Tegernsee in Bayern nach Sterzing in Südtirol. Von Deutschland über Österreich nach Italien in 6 Tagen. Eine komfortable Tour, die im Sommer Wandertouristen mit Guide und Gepäcktransport angeboten wird. Barfuß bist du langsamer als mit klobigen Wanderschuhen, dafür nimmst du alles viel bewusster und intensiver wahr. Ich übernachte auf Almen oder in Pensionen und erkenne, was Naturgewalt bedeutet. Wenn du alleine auf dem Gipfel stehst und ein Unwetter aufzieht, zahlreiche Hütten noch geschlossen haben und teilweise Schnee die Wanderwege bedeckt, fühlst du dich plötzlich ganz klein und unbedeutend in unserem Universum. Nicht nur die Schönheit der Natur hat mich auf diesem Abenteuer mehrfach zu Tränen gerührt, ich empfinde vor allem tiefe Dankbarkeit und Hochachtung vor meinen Füßen, die mich und meinen 12kg Rucksack sicher über die Berge getragen haben. 

Mein Fazit  / was sich verändert hat

Meine Fußsohlen sind robuster und meine Zehen deutlich beweglicher als vor 2 Jahren. Ich habe kaum noch kalte Füße und bin abgehärtet, bis auf Schmutz keine ernsthafte Verletzung. Mythen wie Blasen- oder Nierenentzündung, kalte Füße, Fußpilz, Warzen kommen nachweislich nicht vom Barfußlaufen. Ganz im Gegenteil, Barfußlaufen stärkt das Immunsystem und erhöht die Blutzirkulation. Der Stoffwechsel wird angeregt, die Steuerung komplexer koordinativer Fähigkeiten wird optimiert, Lymphgefäße und -bahnen werden aktiviert, Harnsäurewerte sinken, „gutes“ Cholesterin (HCL) wird gebildet, die Struktur der Fußknochen wird verstärkt, die Wirbelsäulenmuskulatur wird auch in tiefer Muskelebene kräftiger. 

Für mich am aller wichtigsten, Barfußlaufen schüttet Glückshormone aus, weil es einfach Spaß macht, wieder leicht, frei und unbeschwert durchs Leben zu gehen.

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